Antikörper beugt Migräne vor


Unter die Haut gespritzt
Antikörper beugt Migräne vor
Fizkes/shutterstock.com

Migräne ist weit verbreitet. Oft sind die Attacken so schlimm oder so häufig, dass Ärzt*innen zu einer medikamentösen Prophylaxe raten. Greift diese nicht, kann ein Antikörper helfen.

Depressionen und Angsterkrankungen drohen

Migräne ist eine Volkskrankheit: Bis zu 20% der Frauen und 7% der Männer in Deutschland leiden darunter. Die Ursache für die Attacken ist unklar. Dafür sind die Folgen umso deutlicher. Bei vielen Betroffenen schränkt die Migräne die Lebensqualität stark ein, ihr Risiko für Depressionen, Angsterkrankungen und Suizid ist 7-mal höher als bei Gesunden. Auch die Volkswirtschaft leidet unter der Erkrankung – durch Migräne gehen im Jahr etwa 32 Millionen Arbeitstage verloren, in Summe kostet das etwa 3,1 Milliarden Euro.

Behandelt werden akute Migränekopfschmerzen vor allem mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Triptanen. Doch manchmal lassen sich die Beschwerden mit diesen Wirkstoffen kaum beherrschen, oder die Anfälle kommen einfach zu häufig. Dann raten Ärzt*innen zu einer dauerhaften Prophylaxe. Dazu eignen sich Medikamente gegen Epilepsie, Betablocker und einige Antidepressiva. Allerdings lösen diese Substanzen bei Dauereinnahme oft unerwünschte Wirkungen aus, weshalb die Betroffenen die Therapie häufig abbrechen.

Rezeptor im Gehirn im Griff

Das soll mit einem neuen Wirkprinzip anders werden: Seit drei Jahren ist in Deutschland ein Antikörper gegen Migräne zugelassen. Erenumab bindet an den Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)-Rezeptor im Gehirn und wirkt damit Migräneattacken entgegen – vermutlich wird dadurch die migränetypische Gefäßerweiterung verhindert. Der Wirkstoff wird nicht als Tablette geschluckt, sondern ein- bis zweimal monatlich unter die Haut gespritzt.

Ob die neue Art der Vorbeugung einen Nutzen gegenüber der traditionellen hat, haben Forscher*innen nun in einer Studie an 777 Betroffenen untersucht. Getestet wurde im Vergleich mit dem häufig zur Migränevorbeugung verordnete Topiramat. Behandlungsziel war, die monatlichen Migränetage um die Hälfte zu reduzieren. Langzeitdaten fehlen noch Erenumab schaffte das bei 55% der Patient*innen, Topiramat nur bei 31%. Auch in puncto Verträglichkeit punktete der Antikörper. Nur 10,6 % der Erenumab-Anwender*innen brachen die Behandlung aufgrund unerwünschter Ereignisse ab, während dies bei knapp 40% der mit Topiramat Behandelten der Fall war. Weil der Antikörper noch nicht lange zugelassen ist, fehlen jedoch noch Daten zur Langzeitanwendung. Deshalb ist es durchaus möglich, dass im Laufe der Zeit seltenere Nebenwirkungen auftreten.

Die Prophylaxe mit dem Antikörper erwies sich in dieser Studie als vielversprechend. Allerdings ist sie teuer. Die Jahresbehandlungskosten belaufen sich auf knapp 6000 Euro – im Gegensatz zu 277 Euro bei Topiramat. Auf Kasse verordnen darf die Ärzt*in Erenumab nur bei Patient*innen, bei denen die konventionelle Migräneprophylaxe nicht wirkt, nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist.

Quellen: idw, Schmerzklinik Kiel

News

Tipps für sicheren Grillspaß
Tipps für sicheren Grillspaß

Heißes Sommervergnügen

Von Verbrennungen bis zu Magen-Darm-Infektionen: Das allseits beliebte Grillen hält eine ganze Menge Gefahren bereit. Hier gibt es Tipps, wie man sich davor schützt.   mehr

Waschen, cremen, inspizieren
Waschen, cremen, inspizieren

Hautpflege bei Diabetes

Eine Diabeteserkrankung wirkt sich auch negativ auf die Haut aus. Mögliche Folgen sind Pilzerkrankungen und unangenehmer Juckreiz. Mit einer guten Blutzuckereinstellung und der richtigen Pflege lässt sich jedoch gut vorbeugen.   mehr

Weiblicher Schlaf und Hormone
Weiblicher Schlaf und Hormone

Was machen Hormone mit dem Schlaf?

Ob man morgens ausgeschlafen oder müde ist, hängt von vielen Faktoren ab. Welchen Einfluss haben die Hormone?   mehr

Solarium erhöht Hautkrebsrisiko
Solarium erhöht Hautkrebsrisiko

Gefährliches „Vorbräunen“

Viele nutzen das Solarium, um mit vorgebräunter Haut in den Urlaub zu starten. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Künstliche UV-Strahlung kann das Risiko für schwarzen Hautkrebs deutlich steigern.   mehr

Strategien gegen die Atemnot
Strategien gegen die Atemnot

Angst vor dem Ersticken

Atemnot kann den Alltag stark einschränken und vielen Betroffenen Angst machen. Doch es gibt Möglichkeiten, besser mit den Beschwerden umzugehen und den Teufelskreis aus Luftnot und Anspannung zu durchbrechen.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen

Laborwerte A-Z

Laborwerte

Was früher im Hinterzimmer der Arztpraxis und im Keller des Krankenhauses nebenbei von Arzthelferinnen, MTAs (medizinisch-technische Assistenten) und Stationsschwestern erledigt wurde, ist zu einer hoch automatisierten High-Tech-Branche geworden, in der Großlabore Zehntausende Proben verarbeiten. Der medizinisch-technische Fortschritt hat jedoch nicht nur die Arbeitsprozesse rationalisiert, sondern den Ärzten auch viele neue Messwerte beschert, die teilweise aber in ihrer Nutzenbewertung umstritten sind.

Mehr erfahren
Einhorn-Apotheke
Inhaberin Birte Barleben
Telefon 0201/22 31 87
Fax 0201/22 90 71
E-Mail info@einhorn-essen.de